Bitte wähle die einzelnen Artikel über die Rubriken Reiten, Bodenarbeit, Körper und Sitz, Persönlichkeit und Umgang und Haltung aus. Viel Spass beim Lesen!

Leitgedanken zu meinem Pferdetraining

 

 

Von Zeit zu Zeit frage ich mich, warum ich reite und warum ich gerne mit Pferden umgehe. Die Antwort darauf gibt mir einen guten Überblick über meine Leitsätze und das Konzept meines Pferdetrainings.

 

Ich schreibe diese Zeilen und habe die Filmszene von „Der schwarze Hengst“ in meinen Gedanken. Dort spielt der Hengst am Strand auf einer Insel mit dem Jungen. Eine wirklich schöne Inszenierung und ein lebendige Symbol für Lebensfreude, Verbundenheit, Spiel und Leichtigkeit.

Das ist ein starkes inneres Bild, was ich mir behalten möchte!

 

Ich reite, weil ich Pferde liebe und ihre kraftvolle Anmut bewundere. Es gibt für mich kein vergleichbares Gefühl, wenn ich auf Polarstern durch den Wald galoppiere, Akira schräg vor mir mit heraushängender Zunge und Seitenblick zu uns voran prescht und wir schneller und schneller werden. Pferd und Hund werden flacher und verlängern ihre Sprünge und mir treibt der Wind die Tränen seitlich aus den Augen. Das ist Leben und den Moment in vollen Zügen genießen!

Genau so ein Gefühl des lebendig sein habe ich auch, wenn mir mein Pferd eine Galopppirouette schenkt, bei der ich die großen Muskeln unter mir arbeiten fühle. Diese Kraft unter mir mit feinen Hilfen dirigieren zu können und „ins Pferd zu sinken“, sich mit ihm zu verbinden. Ein Stopp hier, ein Angaloppieren, eine Media Vuelta in die andere Richtung- Geschicklichkeit in Harmonie. Und es berührt mich sehr, wenn ich mit Pferden Freiarbeit mache und sie bei mir bleiben, weil ihnen meine Nähe Sicherheit gibt und sie Spaß am Zusammensein haben.

 

Mein Leitgedanke in meinem Training ist es, das Pferd als gleichwertigen Partner anzuerkennen und mit ihm zusammen zu arbeiten. Er gleicht einem Tanzpartner und es sieht wesentlich schöner aus, wenn dein Tanzpartner freiwillig mit dir tanzt, ja sogar Freude dafür empfindet, als wenn du ihn über die Tanzfläche schleifen musst.

Dazu gehört, dass ich meinen Partner kennenlerne und weiß, was er mag und was nicht, was ihm Spaß macht und was ihm körperlich gut liegt.

Ich warte nicht darauf, dass er einen Fehler macht um ihn dann zu bestrafen, so funktioniert keine gute Beziehung. Ich zeige ihm vielmehr ruhig, was ich von ihm möchte und ich bin bereit dazu, seine Sprache zu lernen, um mit ihm kommunizieren zu können.

 

Pferdetraining ist Charakterschulung! Das Pferd ist, genau wie deine Mitmenschen dein Spiegel, und es zeigt dir klar deine Emotionen und deinen Charakter auf.

Wenn du mit Pferden umgehst, solltest du dein Ego und deine Emotionen aus dem Spiel lassen. Wenn du das schaffst, kannst du fokussiert und ehrlich auf dein Pferd einwirken und es schulen.

 

Arbeite mit ihm zusammen! Das ist das Wichtigste. Wenn das Pferd merkt, das du ihm nicht nur irgendeine Schablone überstülpst, und es da herein zwängst, sondern es merkt, das du Ideen und Vorschläge hast um seinen Körper zu schulen und seinen Geist zu würdigen und zu fordern, dann wir es eifrig und gerne mit dir zusammen spielen.

Denn auch wenn ich ab und zu hier von Arbeit schreibe, so ist es doch ein Wort mit einer ganz falschen Bedeutung in dem Zusammenhang.

Die Arbeit, die das Pferd früher auf dem Feld, im Krieg und in den Mienen für den Menschen verrichten musste, ist vorbei.

Heute ist es hier in unseren Breitengraden Freund (leider auch oft Statussymbol oder Sportgerät), aber auf jeden Fall ist es unsere Freizeit, die wir mit unserem Pferd verbringen und da wollen wir gerade nicht mehr arbeiten sondern Freunde empfinden und spielen, genießen.

 

Mein Trainingsgedanke geht vom Pferd aus. Ich habe eine Menge Wissen, Ideen, Formeln etc. in meinen „Rucksack“ gepackt, aber mit all dem Hintergrundwissen gehe ich nun im Idealfall unvoreingenommen dem Pferd entgegen und schaue es mir an:

Wie ist sein Charakter? Ist es extrovertiert oder introvertiert? Dominant oder rangniedrig? Wie ist sein Körper gebaut? Ist es verspielt und hat es eigene Ideen, oder orientiert es sich lieber an anderen? Ist es menschenbezogen und neugierig oder eher abweisend?

Diese Dinge bekommt man sehr schnell heraus, wenn man das Pferd in seiner gewohnten Umgebung, in der Herde oder auf der Weide beobachtet.

Und wenn man dann sieht oder erlebt, was es gerne hat und was ihm später, wenn man es reitet oder mit ihm am Boden spielt, leicht fällt, dann geht man von diesem Punkt aus los und fördert diese Dinge. Individuelles Training ist hier das Stichwort.

 

Die Beziehung

 

Die Grundlage der aufrichtigen Beziehung ist die bedingungslose Liebe! Das meine ich vollkommen ernst. Du kannst einem anderen Lebewesen keine größere Freude machen, als es bedingungslos so zu lieben wie es ist.

Dann fühlt es sich stark und sicher und gerade das Fluchttier im Pferd braucht Sicherheit.

 

Haben wir beide also diese Grundlage, dass ich sage, ich liebe dich genau so, wie du bist. Du bist richtig so, wie du bist, dann können wir eine gleichwertige Freundschaft führen.

Freundschaften sind nicht immer einfach. Wir dürfen Meinungsverschiedenheiten mit dem Pferd haben, es wird Tage geben, an denen nicht alles gut ist und wir abgrundtief frustriert sind. Und genauso wird es tolle, großartige Tage geben, an denen wir zusammen Spaß haben werden und unglaublich viel lernen.

Diese Grundlage mit deinem Pferd zu schaffen, das wünsche ich jedem Einzelnen von euch!

 

Danke fürs Lesen, das bedeutet mir viel! Deine Maike

 

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Maike Tabertshofer

E-Mail