Der richtige Sitz des Reiters

 

 

Der Sitz ist die Grundlage des guten und gezielten Einwirkens auf das Pferd, sprich, nur mit einem korrekten Sitz kann der Reiter die richtigen Hilfen geben.

Dabei ist der Sitz des Reiters immer in Bewegung und Veränderung, da die wichtigste Sache ist, dass der Reiterschwerpunkt immer über dem des Pferdes bleibt, ob es nun galoppiert oder seitwärts geht, bergab oder bergauf läuft.

Der Schwerpunkt des Menschen liegt etwa eine Handbreit unter dem Bauchnabel, im Inneren des Bauches.

Der Schwerpunkt des Pferdes befindet sich ungefähr mittig im Brustkorb des Pferdes.

Die Muskeln und Muskelgruppen sorgen dafür, dass Du deinen Sitz immer wieder so anpasst, dass beide Schwerpunkte übereinander liegen.

Wenn das der Fall ist, bringst Du dein Pferd nicht aus dem Gleichgewicht und es kann sich unter dir ausbalancieren.

 

Der richtige Reitersitz ist funktionell, da er durch jahrelange Erfahrung geprägt wurde, was sinnvoll und zweckmäßig bei der Einwirkung auf das Pferd ist.

 

Gehen wir Schritt für Schritt den optimalen Sitz durch und beginnen oben beim Kopf des Reiters. Der Kopf wird frei getragen und der Blick und damit auch dein Fokus, geht immer voraus; dorthin, wohin man reiten möchte! Das klingt so logisch, aber wie viele Reiter gibt es, die nur auf den Pferdehals schauen?

Der Hals ist schön lang und entspannt und die Schultern sind gleich hoch und immer parallel zu den Pferdeschultern. Der Brustkorb ist weit nach vorne - oben geöffnet, sodass die Lungen viel Platz haben und Du aufrecht und stolz auf dem Pferd sitzt.

 

Die Wirbelsäule ist in ihrer natürlichen doppelten S- Form, genauso, wie auch wenn Du stehst oder sitzt und der Rücken ist aufrecht, sodass die einzelnen Rückenwirbel Raum haben den Bewegungen zu folgen, ohne dass Nerven gequetscht werden.

Die Oberarme des Reiters hängen locker an den Seiten deines Oberkörpers herunter und die Unterarme sind leicht anwinkelt, sodass deine Ellenbogen mit dem Trensengebiss eine Linie bilden können. Diese Linie bietet die direkte und saubere Kommunikation mit dem Pferdemaul.

 

Die Hände werden vor dem Sattel so getragen, als würde man einen Blumenstrauß überreichen, nicht so locker, das er herunterfällt, aber auch nicht so fest, das die Stängel gequetscht werden. Der Daumen oben bildet ein Dach auf der Faust, da sich in dieser Position das Handgelenk locker und frei bewegen kann.

Die Bauchmuskulatur arbeitet ständig, da die Bewegung des Pferderückens unmittelbar im Rumpf ankommt; dass heißt die Muskeln spannen sich an und entspannen sich auch wieder.

Das Becken macht die Bewegungen des Pferderückens mit und die beiden Sitzbeinhöcker werden gleichmäßig belastet. Das Becken ist immer auf das Becken des Pferdes ausgerichtet, dies wird spätestens bei den Seitengängen interessant.

 

Die Oberschenkel und Knie liegen sanft mit der Innenseite am Sattel an, ohne sich jedoch mit ihnen am Pferd festhalten zu wollen. Gerade das jeweils innere Knie löst sich in der Wendung minimal vom Sattel und gibt der Pferdeschulter so Platz.

 

Die Waden liegen locker und in leichtem Kontakt am Pferdebauch; weder werden sie aktiv weg gestreckt, noch drücken sie sich an den Bauch. Der Fuß steht so im Steigbügel, wie Du auch auf der Erde stehst, das bedeutet, dass die Füße parallel zum Pferdebauch ausgerichtet sind. Der Fußballen ruht im Steigbügel, er gibt gerade im Stopp oder in Wendungen eine wertvolle Hilfe, den sogenannten Bügeltritt. Das Fußgelenk ist locker und federt die Bewegungen ab, wobei die Ferse des Reiters den tiefsten Punkt bildet. Dies ist sinnvoll, weil dadurch die Wade des Reiters in eine leichte Spannung geht und so die Schenkelhilfe richtig eingesetzt werden kann.

 

 

Wie kann man nun diesen Sitz erlangen?

 

Die Schulung des Sitzes beginnt auf dem Boden, indem sich der Reiter zunächst einmal seinem Körper bewusst wird.

Das gilt für den Einsteiger, aber auch für den fortgeschrittenen Reiter, da diese Basis so unglaublich wertvoll für dich ist!

Achte einmal bewusst in deinem Alltag darauf, wie Du gehst, was Du tust um dich auf einen Stuhl zu setzen, ob Du eines deiner Beine vermehrt belastest, oder ob Du ein Hohlkreuz hast.

 

Schau außerdem einmal in den Spiegel, ist eine deiner Schultern höher als die andere? Und wie sieht das bei deinem Becken aus? Steht dein Spiegelbild jetzt im Moment gerade, aufrecht und stolz vor dir, oder sind deine Schultern nach vorne gefallen und der Rücken rund?

Trau dich, dich selbst mal zu beobachten und zu analysieren, denn genauso, wie Du gehst und sitzt und lebst, so wirst Du auch reiten! Du wirst nicht plötzlich auf dem Pferd eine ganz andere Haltung einnehmen können.

 

Das ist aber auch die gute Nachricht! Du kannst also deinen Reitersitz nicht nur auf dem Pferd üben, sondern vor allem in deinem Alltag! Das ist ein viel größerer Hebel, denn so kannst Du viel mehr Stunden üben. Und das geschieht ohne großen Zeitaufwand. Während Du zum Beispiel an deinem Schreibtisch sitzt, kannst Du dich aufrichten, den Brustkorb weiten, die Schultern entspannt nach hinten-unten sinken lassen und so die richtige Haltung trainieren, um nur den Oberkörper einmal zu erwähnen.

 

Des weiteren rate ich dir dazu, dir täglich einige Minuten zu nehmen, in denen Du deinen Körper lockerst, da wir oft Verspannungen mit uns schleppen und uns daraus resultierend Schonhaltungen angewöhnen.

Yoga und Tanzen sind zum Beispiel wunderbare Sportarten, bei denen Du deinen Körper wahrnimmst und deine Muskeln gezielt kräftigst.

 

 

Schulung an der Longe:

 

Der nächste Schritt ist nun, wenn Du deinen Körper auf dem Boden gut koordinieren kannst, dass Du dich auf dein Pferd, das ein Helfer longiert, setzt. Zunächst ohne Zügel, sodass Du dich nur auf deinen Körper und deine Balance auf dem Pferd konzentrieren kannst. Ziel Nummer eins ist es, das Pferd in seinen Bewegungen nicht zu stören, sondern ihnen locker zu folgen und den eigenen Schwerpunkt über dem des Pferdes zu halten.

 

Spüre einmal, wie der Pferderücken dein Becken im Schritt und Trab von einer Seite zur anderen bewegt. Wenn z.B. das linke Hinterbein vorschwingt, so senkt sich seine linke Rückenhälfte, und somit auch dein linke Gesäßhälfte, ab. Tritt es auf und schiebt den Körper nach vorne, so hebt sich die Rückenhälfte wieder und die rechte Rückenhälfte senkt sich entsprechend ab.

Der Galopp als gesprungene Gangart ist eher eine ellipsenförmige Bewegung deines Beckens, das von hinten-unten nach vorne-oben mitgenommen wird.

 

Gelingt dir das Erfühlen und Mitgehen in der Bewegung gut, kannst Du auch die Zügel dazunehmen, immer noch an der Longe.

Nun darfst Du langsam auf das Pferd einwirken, das heißt, die Gangart bestimmen, Übergänge reiten und trainieren, wie Du mit deinem Körper die richtigen Hilfen dafür gibst.

Hast Du das so oft geübt, bis es richtig gut klappt, so kannst Du jetzt frei in der Halle reiten.

 

 

Ich bitte dich, diese Zeit an der Longe als eine wertvolle Investition zu sehen und dir deshalb viel Zeit zu nehmen. Je besser Du an deiner Basis, dem Sitz in der Bewegung, arbeitest, desto leichter wird dir später alles andere fallen! Deshalb scheue dich auch nicht davor, von Zeit zu Zeit wieder einmal eine Einheit an der Longe zu machen, denn sobald Du deinen Sitz nicht mehr so konsequent schulst, schleichen sich wieder Fehler ein, das ist ganz normal.

 

Und jetzt wünsche ich dir viel Spaß mit deiner Reise zu und in deinem Körper, es wird dir ein ganz neues, tolles Gefühl geben, das verspreche ich dir!

 

 

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© Maike Tabertshofer

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