Das Trainingsbuch

 

 

Ich lade dich dazu ein, dein Pferdetraining in einem Buch zu dokumentieren, denn dies ist ein unglaubliches Geschenk an dich selbst.

Jede Übung, die Du neu lernst, kannst Du in deinem Buch festhalten. Ebenso kannst Du Trainingsfortschritte mit deinem Pferd dokumentieren, dir reelle Ziele setzen und sehen, ob Du sie erreicht hast.

Es ist ein wertvoller Begleiter zum Selbststudium, indem Du deine Gedanken und Gefühle nach dem Training aufschreiben und deine Erkenntnisse und Erfahrungen sortieren kannst.

So kannst Du das Erlebte und Gelernte reflektieren.

Durch das Aufschreiben bekommt dieses heutige Training nochmal einen anderen Wert und wird gewürdigt.

 

Ich benutze zwei verschiedene Bücher, die beide einfach mit weißen Blättern gefüllt sind, Du kannst aber auch gerne in einen Kalender oder in irgendein Heft schreiben.

Wichtig ist jedoch, dass Du es wirklich für Dein Pferdetraining und die Gedanken darüber reservierst.

 

Die Ideensammlung:

 

Buch Nummer eins ist meine Ideensammlung. Darin steht alles, was mir an Themen, Lektionen und Übungen begegnet ist und die ich für sinnvoll für mein Pferdetraining erachte!

Ganz egal, ob es sich dabei um eine Lektion handelt, die ich heute, morgen, oder im Laufe der gemeinsamen Zeit mit meinem Pferd erarbeiten möchte.

Und ich kann Dir deshalb wirklich nur empfehlen: schaue Dich um, geh zu Messen und Kursen und „klaue“ dort mit den Augen! Lies Bücher und schaue Dir Videos an, (es gibt außerdem schon viel kostenloses Infomaterial auf YouTube und anderen Onlineseiten).

 

Aus Büchern kann ich gut das Mindset, das Konzept und die innere Haltung eines Trainers erfahren und daraus meine eigene Leitsätze und Werte ableiten.

Auf Videos und Kursen jedoch kann ich gut die Umsetzung sehen, die Anwendung, darum geht ja beim Reiten. Da kann ich sehen, wie reagiert das Pferd auf diese Hilfe des Reiters? Wo hat der Trainer Tipps zu Fragen, die ich mir Zuhause auch immer gestellt habe?

In meiner Ideensammlung stehen theoretische Anleitungen zu den einzelnen Lektionen wie z.B. der Traversale und ganz wichtig: viele Zeichnungen zur Veranschaulichung!

Dein Pferd und Du seid oft motivierter und habt feste Bezugspunkte in der Reithalle, wenn Du dort Pylonen oder Stangen etc. aufgebaut hast!

Deshalb zeichne ich mir wirklich mit Abmessungsangaben auf, was ich als Hilfestellung für die Übung brauche.

 

Und meine Ideensammlung wächst und wächst. Ich habe es neben mir liegen, wenn ich ein neues Buch lese, ich nehme es zu den Kursen mit und halte neuen Anregungen und Ideen sofort fest, damit ich sie nicht vergesse.

 

Das Journal:

 

Mein zweites Buch nenne ich Journal, einfach weil ich leider das Wort Tagebuch so als „Kleinmädchengeschreibsel“ assoziiere. Ist aber auch ganz egal, wie Du es nennst, Hauptsache Du führst es!

 

WERTE:

 

Die ersten Seiten Deines Journals solltest du Dir reservieren.

Dort schreibst Du deine Werte und die Leitsätze deines Pferdetrainings auf.

Um diese Werte und Leitsätze zu finden, setze Dich ruhig hin und überlege, was Dir wichtig in der Beziehung zu deinem Pferd und in eurer gemeinsamen Entwicklung ist. Worauf gründen sich deine Handlungen? Warum tust du, was du tust im Umgang mit deinem Pferd? Dazu kannst Du gerne hier mehr über die Wertefindung lesen: https://www.kentaura.de/blog/pers%C3%B6nlichkeit/werte/

 

STÄRKEN UND SCHWÄCHEN:

 

Danach kommen weitere Seiten, auf denen Du deine Stärken und Schwächen und die Stärken und Schwächen deines Pferdes aufschreibst. Einmal bewusst über seine eigenen Stärken und Schwächen nachzudenken ist nicht einfach. Und gerade wir Deutschen kehren oft unser Licht unter den Scheffel.

Sei ehrlich zu dir selbst! Lass dein Ego außen vor und schreib auf, was du über dich und auch über dein Pferd denkst!

Dieses Bewusstmachen ist ein wichtiger Prozess. Auf dieser Grundlage kannst du nämlich wachsen.

 

Und wenn Du dir dann eurer Stärken und Schwächen bewusst bist, sage ich Dir nicht: ich arbeite ganz viel an meinen Schwächen bzw. an den Schwächen des Pferdes, damit ich mindestens so gut werde wie der Durchschnitt!

Nein, ich rate Dir: arbeite ganz, ganz viel an euren Stärken! Da liegt euer Potential, eure Leidenschaft und eure Freude!

 

Also schreibe beides auf und in einem zweiten Schritt kannst du, wenn Du das möchtest, auch deine Trainer und dein Umfeld, enge Freunde und Familie, befragen und sie bitten, Dir etwas zu deinen Stärken und Schwächen zu sagen. Mir hat es geholfen, da man nach außen oft anders wirkt, als man das selbst fühlt. Das Pferd ist dabei natürlich dein allerbester Spiegel und Lehrer!

 

ZIELE:

 

Dann kommen auf die nächsten Seiten deine Ziele. Deine Ziele entspringen nämlich deinen Werten und Leitsätzen und natürlich entspringen sie auch aus euren Stärken!

Auf diesen Seiten hast du Platz die Ziele festzuhalten und ich rate dir, lass dir viele Seiten Platz! Da kommen nach und nach bestimmt noch Ziele hinzu.

Schreibe dir zunächst Oberthemen, große Ziele, auf. In einem zweiten Schritt schreibst Du darunter deine vielen kleinen Zwischenziele, „brichst“ praktisch das große Ziel in kleine Zwischenziele herunter. Dieser Schritt ist sehr wichtig, da er deine Ziele planbar und greifbar macht! Und darum geht es dir ja in deinem Journal.

 

TERMINE:

 

Die letzten Seiten am Anfang deines Journals sind dann für Termine reserviert. Anstehende Kurse oder Turniere, aber auch Hufpflegetermine und Tierarztbesuche werden hier festgehalten.

Mit diesen ersten Seiten hast du deinen Kompass für deine regelmäßigen Journaleinträge. Diese ersten Seiten schaue ich mir oft an, um mich zu erinnern, was wirklich zählt und was wichtig für mich ist.

 

Nun kannst Du selbst entscheiden, wie oft du in dein Journal schreiben möchtest, ob jeden Tag oder nur einmal in der Woche oder im Monat.

Zwei Dinge finde ich aber grundsätzlich wichtig: dass es regelmäßig geschieht, um dir ein authentisches Bild von euren Fortschritten zu liefern, und dass Du dich an einem Tag in der Woche, oder einmal im Monat, wie es für dich besser passt, hinsetzt und die nächste Zeit planst.

Für mich ist es gut, das immer am gleichen Wochentag zu machen, oder du nimmst dir das gleiche Datum im Monat.

 

Bei mir ist das der Sonntag, er markiert das Ende der letzten und den Anfang der nächsten Woche. Am Sonntag nehme ich mir wirklich Zeit, das ist meistens in einer halben Stunde erledigt, und stöbere in meinen Trainingsbüchern auf der Suche nach neuen Anregungen und aufgezeichneten Übungen für die kommende Woche. Zusätzlich lese ich mir kurz noch einmal meine Journaleinträge der letzten Woche durch, damit ich sehe, auf was ich aufbauen kann, und was ich nicht erledigt habe; das übertrage ich nämlich als erstes in die neue Woche.

Und dann überlege ich mir grob die Vorhaben für meine neue Woche. Und ich sage extra grob, weil ich dir rate, es nicht zu genau zu machen. Wenn man etwas im Vorfeld zu genau plant, wird man schnell enttäuscht, weil immer Dinge dazwischen kommen. Dein Pferd oder du haben einen schlechten Tag, das Wetter ist schlecht, eine Freundin, mit der du dich zum Training verabredet hast sagt ab.

Plane also grob voraus. Bei mir sind das zum Beispiel die Überlegungen:

Wie oft möchte ich ausreiten/Bodenarbeit machen/reiten in dieser Woche?

Was ist das Thema der Woche? (ZB Schenkelweichen, Spaß mit Hängerverladen etc.)

Was möchte ich diese Woche an einem bestehenden Thema verbessern? ZB an meinem Sitz?

Was kann ich mir diese Woche mithilfe Pylonen und Stangen aufbauen?

 

Ich finde das immer einen schönen Start in die neue Woche!

 

Das Schreiben in meinem Journal ist seit einiger Zeit zu einem festen Ritual am Abend geworden. Es lässt mich meine Gedanken sammeln und schließt den Tag mit einer positiven Reflektion ab. Dabei dauert es meist nicht länger als fünf Minuten:

  • Mein Highlight des Tages
  • Learning des Tages (darf auch zusätzlich in die Ideensammlung!)
  • Was war das Thema des Trainings?
  • Wie habe ich mich heute beim Training gefühlt? Bzw. was hatte ich für Gefühle?
  • Für was bin ich heute dankbar? Und ich versuche, jeden Tag (kleine und große) neue Dinge zu finden!

 

 

Ich hoffe, dass dich der Text jetzt nicht überwältigt hat und Du sagt, das ist mir alles viel zu viel.

Ich bin selbst alles andere als ein Ordnungsfreak und ich sitze auch nicht den ganzen Tag da und muss alles reflektieren. Aber ich habe gemerkt, dass ich durch das Aufschreiben den Tag „festhalten“ kann und dass ich meine Gedanken so gut geordnet bekomme.

Und wenn Du es einmal im Monat machst ist das super!

Und falls Du dir vornimmst, täglich zu schreiben und es ein paar Tage lang nicht schaffst, ist das auch überhaupt nicht schlimm! Mache bitte kein Dogma und kein „ich muss“ daraus, dann verlierst Du die Freude daran, ehe Du anfängst.

Ich möchte nur berichten, dass bei mir diese beiden Bücher gut funktionieren, und dass mich das Schreiben in ihnen anspornt, immer Neues dazuzulernen und meine Gefühle und Gedanken, die ich während des Trainings mit meinem Pferd hatte, abends zu ordnen.

 

Zusammenfassung:

 

  1. Buch:  Ideensammlung

Inhalte: eigene Ideen und Trainingsideen anderer Trainer, Ideen aus Büchern und Videos, Lektionen, Übungen, Skizzen

  1. Buch: Journal

Inhalte: 1. Teil:

               -Werte und Leitsätze

               -Stärken und Schwächen

               -Stärken und Schwächen meines Pferdes

               -Ziele mit detaillierten Zwischenzielen

               - Termine

               2.Teil:

                - Wöchentlich grobe Planung und Ideen für die neue Woche aus meiner Ideensammlung

                -regelmäßige Reflektion des Trainings mit dem Pferd

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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© Maike Tabertshofer

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