Working Equitation

Was ist die Working Equitation?

 

 

‚Working Equitation‘ heißt übersetzt Arbeitsreitweise und ist eine relativ junge Turniersportart.

Sie stammt ursprünglich aus den europäischen Ländern, in denen auch heute noch auf traditionelle Weise mit Pferden und Rindern gearbeitet wird. Das sind vor allem Spanien, Frankreich, Italien und Portugal.

 

 

In diesen Ländern ist das Pferd seit vielen hundert Jahren das beste Mittel, in dem teilweise sehr unwegsamen Gelände die Rinder zu hüten, zu separieren oder in Hausnähe zu treiben.

 

 

Die unterschiedlichen Reitstile der Hirten verschiedener Länder wurden durch Traditionen und das naturgegebene Gelände geprägt. Vor allem aber wurden sie durch die Charaktereigenschaften der Rinder geformt. So müssen etwa in Gegenden, in denen Stiere für den Kampf gezüchtet werden (Spanien und Portugal) die Pferde spurtstark, wendig und sehr agil sein. Schließlich müssen Reiter und Pferd jederzeit einem Angriff ausweichen können.

In den USA ist die Hauptarbeit der Cowboys ein ständiges Begleiten der Herden. Die Pferde  müssen lange Strecken in ruhigem, gleichmäßigen Tempo zurücklegen und dafür eine sehr gute Kondition aufweisen.

In einem Punkt stimmen sie alle überein: Das Pferd ist immer wertvoller Partner. Ein gehorsames und leichtrittiges Pferd bietet dem Rinderhirten eine wichtige Grundlage für eine vertrauensvolle

Zusammenarbeit, mit der er seine tägliche Arbeit ausüben kann.

 

 

Die Technisierung in der Viehzucht und Landwirtschaft hat die Tradition der Arbeitsreiterei heute weitergehend zurückgedrängt.

Um die Kultur und das damit verbundene Wissen aufrecht zu erhalten, gibt es die Bemühungen, aus der Arbeitsreitweise eine Wettkampfdisziplin zu machen, wie es sie in Spanien schon mit der Doma Vaquera gibt. So entstand auch die Working Equitation.

 

 

 

Im Turnier werden in den fortgeschrittenen Leveln einhändig auf blanker Kandare geritten. Die Einsteigerlevel dürfen beidhändig auf Trense oder Kandare mit Unterlegtrense geritten werden.

Die Prüfung besteht aus vier Teilwettbewerben:

1 Dressur, in der die Anforderungen an die Klassen der FN (E-A-L-M-S) angelehnt sind.

2 Stiltrail, der Rittigkeit, Vertrauen und Gehorsam der Pferde überprüft

3 Speedtrail, in dem der Stiltrail in leicht abgeänderter Form noch einmal auf Schnelligkeit geritten wird

4 Rinderarbeit, die an das Teampenning erinnert. Der Reiter separiert das vorher markierte Rind aus der Herde und treibt es zusammen mit drei helfenden Reitern in einen kleinen Corral.

 

 

Der übergeordnete Dachverband ist die WAWE (World Association for Working Equitation) in Portugal. Diesem Verband gehören mittlerweile Verbände aus 12 Ländern mit an.
Seit 2008 gehört auch Deutschland dazu; im selben Jahr fand auch das erste große Turnier in Pullmancity mit großem Erfolg statt.

 

 

Das Training der Working Equitation für die Teilbereiche, Dressur, Stiltrail, Speedtrail und Rinderarbeit beinhaltet eine sehr vielseitige Ausbildung für Pferd und Reiter. Mit seinem abwechslungsreichen Programm garantiert es Freude am Reiten und Vertrauensbildung für Pferd und Reiter.

 

 

Ziel der Working Equitation ist also ein vielseitiges, motiviertes und mitdenkendes Pferd, das vertrauensvoll und wenig die gestellten Aufgaben meistert.

Das tolle ist, das man WE mit jeder Pferderasse reiten kann! Charakter und Leistungsbereitschaft sind die ausschlaggebenden Merkmale des geeigneten WE Pferdes.

 

 

 

In der Working Equitation wird, wie in allen Arbeitsreitweisen, dem Pferd die Hilfengebung über Impulse vermittelt. Da jeder Tag draußen anders war und das Gelände oft schwierig, konnte der Reiter nicht jeden Schritt des Pferdes ´micromanagen`, sondern brauchte die Aufmerksamkeit und Sensibilität des Pferdes, eigenständig auf sich zu achten und die Hilfen, wenn sie gegeben werden, schnell umzusetzen.

Genauso braucht der Turnierreiter keinen Roboter, der sein Programm abspult, sondern ein Pferd, dass selbstbewusst und nervenstark die immer neuen Parcours bewältigt.

 

 

Mit Hilfe der Trailhindernisse können Pferd und Reiter auf den unterschiedlichsten Wegen zu klassischen Lektionen, wie Schulterherein, Travers, Übergänge, Galoppwechsel und Pirouetten gelangen und diese verbessern.

Die Hindernisse geben genaue Anhaltspunkte und vor allem einen Grund, warum es die Lektionen ausführen soll.

Kommen schnelle Wechsel zwischen Verstärkung und Versammlung hinzu, schulen sie das Reaktionsvermögen von Pferd und Reiter, sowie die Durchlässigkeit des Pferdes.

Zudem wird auch der Körper des Reiters geschult; so kommen Pferd und Reiter in eine gemeinsame Balance.

Es entsteht eine Leichtigkeit in der Reiterei, die verbunden ist mit einer tieferen Leidenschaft für das Reiten.

 

 

Vertrauensvoll - gehorsam - durchlässig - wendig – elegant - versammlungsbereit

Die Eigenschaften eines Working Equitation Pferdes, die im Verlauf der Ausbildung entwickelt und gefördert werden.

 

 

Der Reitstil der Hirten muss ebenso forsch, schnell und wendig sein, wie die Rinder, die er treibt.  So nutzt der Hirte den ausgeprägten Gleichgewichtssinn seines Pferd.

Er sitzt intuitiv in der Balance und dirigiert sein Pferd durch das Verändern seines Gleichgewichtes. Nur so können Pferd und Reiter, ohne groß nachzudenken, als Einheit agieren, damit Situationen in der täglichen Arbeit mit den Stieren nicht lebensgefährlich werden.

 

 

So nutzen traditionelle Arbeitsreitweisen das instinktive Verhalten der Pferde, nämlich immer bestrebt im eigenen Gleichgewicht zu sein, im Stand wie auch in der Bewegung. Ein Lebewesen, das in seiner Balance ist, kann unmittelbar zu jeder Zeit in fast jede Richtung fliehen, ohne dabei lebensrettende Sekunden zu verlieren. Ein Pferd, dass sich auch mit dem Reiter beständig in seinem physischen Gleichgewicht bewegen kann, bleibt damit auch in seiner Psyche ausgeglichen und wird nicht unnötig verwirrt.

 

 

Ein Sitz in der Balance schafft dafür das Fundament.

Der ausbalancierte Sitz eines Vaqueros (spanischer Hirte) basiert auf Gesetzmäßigkeiten der Natur. Das Pferd lernt auf den Sitz zu hören und ihm prompt zu gehorchen. Daraus entsteht die spontane, wendige und zügelunabhängige Reiterei, die wir anstreben.

 

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© Maike Tabertshofer

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